Erwartungen = Anleitung zum Unglücklichsein
Sind dir deine eigenen Muster bewusst?
Ich dachte, mir wären meine eigenen Muster bewusst. Bis zu dem Zeitpunkt als ich auf der Bewusstseinsebene ein weiteres Level erreicht habe. Ich glaube, wenn man diese Brille des Bewusstseins einmal trägt, kann man sie nicht mehr abnehmen. Vielmehr ist es so, dass man Schicht für Schicht tiefer taucht und sich selbst noch tiefer begegnet. Mit all den Lichtaspekten, all der Verbundenheit und Lebendigkeit - aber eben auch mit den Schattenanteilen. Man erkennt sich selbst immer mehr.
Und eine schockierende und zugleich sehr befreiende Erkenntnis war: eines meiner Muster, das mir nach wie vor sehr viel Drama und Leid in meinem Leben erzeugt, sind ERWARTUNGEN.
Ich glaube es ist menschlich, Erwartungen zu haben. Mir jedoch ist klar geworden, dass sie oft mein Glück oder meine Zufriedenheit sabotieren. Deswegen habe ich den Titel genannt: „Erwartungen = die Anleitung zum Unglücklichsein!“. Denn es stimmt. Nobody ever - even yourself - will always meet your expectations. Dafür sind wir auch gar nicht hier. Mir hat mal jemand gesagt: „Wenn du God zum Lachen bringen willst, mach Pläne.“ Es ist wahr.
Pläne, Erwartungen sind eine Form von KONTROLLE. Wir wollen wissen, wie es ausgeht und wir wollen, dass es so ausgeht, wie wir uns das vorgestellt haben. Alles soll nach meiner Nase laufen. Ich habe Erwartungen an Menschen, Situationen, Outcome und natürlich vor allem auch an mich selbst. Erwartungen erzeugen Druck. Erwartungen machen mich unflexibel. Erwartungen sind für mich das Gegenteil von Gelassenheit & Hingabe. Es gibt keine Garantie, keine Kontrolle. Wir können manche Dinge nicht beschleunigen und es liegt auch nicht alles in unserer Macht es zu ändern. Erwartungen sind oft die Ursache für Enttäuschung, für Frust, Wut, Überforderung, Prokrastination, etc. Erwartungen sind nicht die Garantie für Freude, Glückseligkeit, Zufriedenheit. So funktioniert das nicht!
Und wieder und wieder geht es ums LOSLASSEN. Loslassen zu üben ist für mich wie ein mentaler Muskel, den ich trainiere. Ich bemerke es, ich erkenne mich, ich lasse es los. Loslassen ist das Gegenteil von Festhalten. Solange wir an unseren Erwartungen festhalten, werden wir selbst und unsere Mitmenschen mit Leid konfrontiert sein. Erwartungen bedeuten an ein Ergebnis anzuhaften. In dem Moment, wo wir diese Anhaftungen loslassen, sind wir frei. Wir können mit dem Flow gehen und jedes Ergebnis, das kommen mag, wird nichts an unserer inneren Zufriedenheit ändern können. This is a freakin peaceful state of mind! Deswegen ist die Arbeit bzw. das bewusste Beobachten unserer Gedanken zu wichtig. Sie sind der Ursprung für Freud und Leid.
Wie werden wir nun Erwartungen los - sprich erwartungslos? Ich weiß nicht wie es dir geht, aber “erwartungslos” zu sein klingt irgendwie negativ. Es klingt, als würde ich gar nichts mehr vom Leben wollen. Keine Wünsche und Ziele mehr haben. Das stimmt aber nicht! Es ist wichtig, dass wir hier diese negative Konnotation auflösen. Erwartungen sind nicht das Gleiche wie Wünsche/ Träume zu haben. Erwartungen lassen deinen Körper eng werden. Wünsche/ Träume lassen deinen Körper weit werden. Sie öffnen dein Herz, anstatt es zu verschließen. Es ist okay - nein, es ist sogar wichtig, dass du Dinge hast, für die du brennst. Es gibt uns den Drive Dinge zu erreichen, etwas aufzubauen und zu wachsen. Das Einzige was wir tun dürfen ist, uns dem Prozess hingeben, in der Sache selbst aufgehen, anstatt ein bestimmtes Ziel krampfhaft erreichen zu wollen. Denn wo wir am Ende herauskommen, weiß nur das Universum. Es ist wie ich in meinem Newsletter geteilt habe: Es geht niemals um das Endergebnis. Es geht darum, zu welcher Person wir auf dem Weg werden und wie wir daran wachsen bzw. über uns Hinaus wachsen. Wir dürfen die Balance finden. Die Balance zwischen der Yang-Energie, die uns Klarheit darüber schenkt was wir wollen, uns motiviert für uns loszugehen und aktiv zu werden. Und der Yin-Energie, die für Leidenschaft, Geduld und Hingabe steht. Sie fordert uns auf Dinge aus Leidenschaft zu tun und ganz in dem Prozess aufzugehen, ohne an das Ergebnis zu denken. Doch wir sind so von unserem Ego gesteuert, dass wir uns komplett in der Yang-Energie verloren haben. Hingabe ist die Yin-Qualität, die die meisten von uns (Frauen) in unserer Gesellschaft verlernt haben. Hingabe bedeutet nicht Kontrollverlust. Im Gegenteil! Hingabe bedeutet Vertrauen zu haben und loszulassen. Hingabe findet statt, wenn wir ganz im Hier und Jetzt sind mit unserer Aufmerksamkeit.
Wir dürfen uns also unserer Erwartungen bewusst werden und fragen: Warum habe ich diese Erwartungen? Woher/ von wem kommen sie? Was ist ihre Funktion? Sobald wir erkennen, dass Erwartungen meistens ein Schutzmuster sind, das uns davor bewahren will, dass unsere Ängste wahr werden, können wir es mit anderen Augen betrachten. Wir erkennen, dass wir diesen Schutz nicht mehr brauchen und können über unsere Ängste gehen. Genau das ist es nämlich: Erwartungen loszulassen bedeutet, über deine Angst zu gehen. Etwas zu tun, ohne dass du weißt wo du am Ende herauskommst. (Selbst-)Vertrauen entsteht nicht vorwärts. Ich habe Vertrauen und gehe los. (Selbst-) Vertrauen entsteht rückwärts. Nämlich, indem wir etwas tun wovor wir Angst haben und dann erkennen, dass wir es halten können. Stell dir mal vor, wie es sich anfühlen würde, ohne Erwartungen und mit echtem Selbstvertrauen durchs Leben zu gehen? Ist das nicht pure Freiheit?
Whatever comes, let it come. Whatever stays, let it stay. Whatever goes, let it go.
Trust that everything arriving has a purpose, everything staying has a lesson, and everything leaving has completed its role in your story.